Montag, 31. Dezember 2007

The Society-glitch

Date: Beginning of 2005
Working title: none

This fragment is one of the first reflections about social systems out of which I developed the concept for a novel (working title: "Der Widersacher" (The Enemy) or "Das System" or "Das Netz" (The web)). It expresses one of the basic premises the main character acts upon throughout the story. You can find another piece related to that novel-attempt at http://soziomorph.blogspot.com/2007/05/der-widersacher-prolog.html

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Die Zeiten der Höhlen sind vorbei. Es geht nicht mehr nur um Nahrung, Partner und Kinder. Der Mensch ist überfordert. Die ganze Welt prasselt auf ihn ein und will bei jeder Handlung bedacht werden. Gesellschaftliche Implikationen, furchtbar verkomplizierte Zwischenmenschlichkeit, zunehmend verstricktere Berufsfelder - Überblick ist nur mehr schwerpunktartig zu behalten. Aufgaben müssen aufgeteilt werden. Die Putzfrau putzt, die Sekretärin erinnert an den Geburtstag eines Freundes, der Terminkalender ersetzt das Gedächtnis, der Mechaniker repariert das Auto. Unser Leben liegt nicht mehr in unserer Hand. Es liegt in den Händen unzähliger Menschen, es ist verwoben mit den Konstruktionsplänen von Maschinen, es ist fragmentarisiert in den Wörtern und Sätzen, die wir aussprechen und niederschreiben. Unser Handlungsspektrum besteht in weiten Teilen nur noch aus Vereffektivierung und Koordination von Schnittstellen. Und genau da hakt das System. Auch wenn alles miteinander verwoben ist, entsteht kein kollektives Bewusstsein, das die verstrickten Handlungen koordiniert. Die spontane Ordnung ist nur das Ergebnis aggregierter Egoismen. Sie driftet haltlos durch das selbstgeschaffene System, das zwar in sich Sinn ergibt, dem aber niemand mehr zu folgen vermag. Der einzelne Mensch verliert den Überblick. Und wird zur Schwachstelle im System.

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