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B-Day

Written: August 20th 2003
Title: B-Day

"B-Day" is a short story extracted from the "field diary" I had during my military service to keep me sane in the tough environment without individual space there. It takes place some days before the end of our boot camp.

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Sein Gesicht war rot vor Erregung. Aufgeregt kaute er auf dem letzten Stück Pizza herum, das er sich gerade in den Mund geschoben hatte. „Wenn wir genug sind, wird das überhaupt kein Problem! Wir brauchen vielleicht 5 geeignete Leute, die den Hauptteil übernehmen!“ Er schilderte detailliert was ihm vorschwebte. Ungläubig lauschten ihm die anderen am Tisch. Je weiter er mit seinen Ausführungen fortschritt, desto mehr änderte sich ihr Gesichtsausdruck von Unglauben zu Schrecken. Was da vorgeschlagen wurde war hart und vernichtend. Das war kein Spiel mehr. „Und dann warten wir einfach. und niemand wird etwas davon erfahren!“. Betretenes Schweigen. Sie beobachteten sich gegenseitig verstohlen, ob nicht eine bestimmte Reaktion vorherzusehen war. Schließlich ergriff einer das Wort. „Das klingt etwas hart, was du da sagst, aber das ziemlich genau das, was ich auch vor einer Woche vorgeschlagen habe!“. Der, der den Plan vorgebracht hatte, freute sich. So könnte er sich beweisen. So konnte er groß Punkte sammeln. Und das musste er auch, schließlich war er ja Offiziers-Anwärter. Er hatte bereits alles abgeklärt. Eigentlich war es gar nicht seine eigene Idee gewesen, sondern die seines Ausbilders. Und von ihm wusste er auch, dass alle Ausbilder hinter einem derartigen Vorgehen standen. Sie würden sie decken. Wenn er es tatsächlich schaffen würde, genügend Leute zu finden, und die Sache durchzuziehen, würde er mit Sicherheit die Lorbeeren dafür einstreichen, egal ob er nun wirklich das Meiste organisiert hatte oder nicht. Er musste Grinsen und betrachtete sein Gegenüber über seine getrübten Brillengläser hinweg.

Eigentlich war es ja in der Tat keine schlechte Idee. Zumindest wäre das eine Erfahrung, die man noch seinen Enkeln würde erzählen können. Die würden erschrecken ob der Grausamkeit. Und man selbst könnte in sich hineinlächeln, was man doch für ein fieser und harter Hund war damals. Vielleicht könnte er ja ausserdem noch neue Agenten gewinnen. G grinste, als er die gegenüberliegende Stube betrat.

„...könntet ihr bei uns mitmachen!“. Sein Grinsen erstarb augenblicklich. In der Mitte des Raums stand ein seinerseits über das ganze Gesicht grinsender Kamerad aus seiner eigenen Stube. Es war der, der mehr oder weniger zum Mobbing-Opfer seiner Kampfgruppe (und später des ganzen Zuges) auserkoren worden war. „Wovon sprichst du?“ fragte ihn gerade ein äußerst verständnislos dreinblickender Offiziers-Anwärter. „Naja, von unserer Organisation! Bei der du mitmachen solltest!“, meinte der Kamerad enthusiastisch. Entsetzt blickte G ihn an. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss. „Was denn für eine Organisation?“ Der Unmut des Offizier-Anwärters war deutlich zu hören. „Na bei...“ er erblickte G „Ah hallo!“. „Was machst du denn da?“ fragte G ihn. „Ich werbe ihn grad für unsere Sache an!“ meinte sein Kamerad fröhlich. G musste einen tiefen Seufzer unterdrücken. „Bist du blöd? Das macht man doch nicht so! Oh Mann!!!“. Der Kamerad sah plötzlich aus als würde er jeden Moment zu winseln beginnen. „Aber wieso... ich hab doch...“. „Am besten du gehst jetzt, ich klär das schon hier!“ unterbrach ihn G mit drohendem Unterton. Der Kamerad trollte sich wie ein getretener Hund. Gut. Solche Leute können einem wirklich alles kaputt machen.

Der Offiziersanwärter grinste. „Ich weiss, um was es geht!“ Er zwinkerte. Es geht, um die Aktion gegen gewisse Kameraden, nicht wahr?“ „Äh... ja... genau!“ „Also ich bin auf jeden Fall dabei...“

“Was halten sie von der Sache?“
„Nun, ich denke entfernen wäre der falsche Schritt, aber wir sollten handeln.“
„Handeln inwiefern?“
„Schlagstock raus und buff.“
„Es denken mehr Kameraden so wie sie! Und sie denken ernsthaft an so etwas.“
„Tatsächlich?“
G trat an das Pissoir direkt neben seinem Kameraden heran und öffnete die Hose.
„Wäre das nicht endlich mal etwas Action in unserem grauen Alltag?“
Der Agent starrte angestrengt auf die Wand vor sich.
„Durchaus... aber haben wir dabei nicht mir Konsequenzen zu rechnen?“
G lächelte wissend.
„Natürlich haben wir das schon abgeklärt. Wir brauchen nur noch Leute, die mitmachen. Möglichst viele Leute!“
Während er sprach, wanderte der Blick des Kameraden verstohlen zu der geöffneten Hose Gs. Wie hypnotisiert starrte er eine Sekunde auf das, was er dort zwischen den Fingern seines „Vorgesetzen“ erblickte. Dann wandte er sich wie ertappt wieder der Wand zu.
„Und ich nehme an, sie wollen mich jetzt dazu anwerben?“
„Wären sie denn bereit, an einer derartigen Aktion teilzunehmen? Wir haben schon einige, die dabei wären.“
„Aber... sicher.“
„Gut so, ich wusste ich kann auf sie zählen! Aber wahrscheinlich wird das sowieso nichts... diese Leute trauen sich nichts und wir werden nicht hart genug rangenommen um selbst so hart zu werden...“
Nachdenklich beendete G sein Tagesgeschäft. Er dachte darüber nach, ob er tatsächlich bei der Ausbildung soviel schwitzte, dass er täglich nur einmal den Gang zur Toilette machen musste. ‚Nicht hart genug, um uns hart zu machen’ dachte er ‚aber hart genug, um meinen Körper zu kontrollieren’. Er schloss seine Hose und drehte den Kopf seinem Kameraden zu. Der „Agent“ hatte wieder einen unbewussten Blick auf Gs Männlichkeit gewagt. Er grinste verlegen, betätigte die Spülung und verließ G mit einem gemurmelten „Melde mich ab“.

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